Reisen

Mit dem Pferd durch den Süden Islands

Im Juni 2017 bin ich mit meiner Freundin Anne für fünf Tage in den hohen Norden aufgebrochen, um im isländischen "Sommer" einen Sternenritt des Islandpferdehofes ELDHESTAR in der Nähe von Reykjavik mitzuerleben.

Reisezeitraum: 6 Tage vom 22. – 27. Juni 2017

Reiseroute Weitere Themen
Fluss Ölfusá Anreise
Hot Springs Reykjadalur  Unterkunft & Verpflegung
Berg Ingólfspfad Tour-Guide & Pferde
Strand Thorlákshöfn Wetter & Kleidung

Anreise


Mit WOW Air – einer jungen isländischen Airline – starten wir im Direktflug von Düsseldorf aus nach Reykjavik. Noch im Flugzeug können wir ganz bequem per Kreditkarte Tickets für den Flybus in die Hauptstadt kaufen, welcher alle Mitreisenden direkt bis zu ihrem Hotel bzw. in unserem Fall bis zum Busbahnhof bringt. Dort müssen wir noch 1,5 Stunden warten, bis wir von ELDHESTAR abgeholt werden. Wir kommen zum ersten Mal mit den für unsere Verhältnisse sehr hohen isländischen Preisen in Berührung. Fünf Euro für einen winzigen Espresso sind schon stattlich! Und es ist verdammt frisch draußen. Während wir warten lernen wir zwei Frauen aus Kalifornien kennen, sie haben die gleiche Tour gebucht wie wir, sind gut gelaunt und gesprächig. Lisa ist die Tante von Karen, beide haben eigene Pferde zuhause und Lisa erzählt von ihren monatelangen Wanderritten durch die USA, welche sie alle paar Jahre unternimmt. Als Anne ihr sagt, sie solle doch ein Buch darüber schreiben, zieht sie dieses sogleich aus dem Rucksack! Ich habe ihr Buch bis heute leider noch immer nicht gelesen, nehme es mir aber für das nächste Jahr fest vor! Paula aus Polen wird uns über die nächsten Tagen begleiten, wir lernen sie bereits beim Essen am ersten Abend kennen. Paula fragt uns ausführlich nach unseren Reitkünsten, Erfahrungen, Vorlieben und unserer Kondition, damit sie für den nächsten Morgen die passenden Perde auswählen kann. Neben Lisa und Karen aus den USA ist noch Helena aus Schweden in unserer Gruppe. Daher kommunizieren wir auf Englisch und ein bisschen auch mit Händen und Füßen, denn Helena ist zudem halbe Italienerin und spricht nicht so viel Englisch.

Tag 1: Ritt über die Wiesen zum Fluss Ölfusá

Nach einem Frühstück treffen wir uns dick eingepackt am Stall, putzen und satteln unsere Pferde, verstauen den Proviant und die organgefarbene Regenmontur und los geht es über kilometerlange hauseigene Wiesenflächen in Richtung des Flusses Ölfusá.

Wir kommen an einigen Hausruinen vorbei, von denen wir lernen, dass solche in Island nie abgerissen werden, weil sich in ihnen Elfen einnisten. Elfen könne man nicht sehen, aber sie seien überall! Pferde spüren angeblich ihre Anweseheit. Das erkennt man wohl daran, dass sie sich manchmal kurz erschrecken oder mit gespitzten Ohren auf bestimmte Punkte im Gras starren. Wir kommen an einem dänischen Friedhof vorbei und erblicken in der Ferne den Vulkan Eyjafjallajökull, der uns in 2010 mit seinem Ausbruch so viele wolkenfreie Sonnentage in Deutschland beschert hat! Dann kommen wir zum Flußufer mit seinen schwarzen Sandbänken. Auf Island sind die Strände schwarz, da der Sand aus zermahlenem Vulkangestein besteht. Im Tölt und Galopp geht es am Ufer entlang.


Die Mittagspause verbringen wir im Gras sitzend neben unseren Pferden. Auf dem Rückweg erwischt uns ein längerer Regen- und Hagelschauer. Ich mache einfach die Augen zu, mein Pferd läuft auch von selbst. Abends nutzen wir die Gelegenheit, uns in den Hot Tubs des Hotels unter freiem Himmel aufzuwärmen. 

Tag 2: Baden in den heißen Quellen am Reykjadalur 

Am zweiten Tag haben wir mehr Glück mit dem Wetter, der Himmel ist zwar bewölkt aber es regnet nicht mehr. Über die kargen Lavafelder schlängeln wir uns in langsamem Tempo vorbei an nistenden Möven. Durch einen Tunnel unterqueren wir eine der stärker befahrenen Inselstraßen und tölten an vereinzelten Nadelbäumen entlang in Richtung des Tals Reykjaladur.

Hier beginnt der Aufstieg zu den heißen Quellen, welchen wir zunächst ein Stück zu Fuß zurücklegen. Nach einer Graspause lassen wir uns wieder von den Pferden tragen, vorbei an vielen Wanderern. Diese blicken uns interessiert und teils etwas neidvoll nach, denn zu Fuß braucht man bestimmt eine gute Stunde hinauf und muss einige Höhenmeter hinter sich bringen. Links vom Weg geht es zumeis steil bergab, aber unsere vierbeinigen Freunde sind trittsicher und den Aufstieg gewohnt. Es ist sehr windig und kalt, ich bin wieder einmal froh über meine dicke Winterjacke und die zusätzliche Müllmann-Montur aus dickem Gummi!

Oben angekommen wartet unser Tour-Guide Paula mit den Pferden bei einem kleinen Paddock, während wir eine Stunde Zeit bekommen, um die Hot Springs zu erkunden. Wir nehmen unsere Badesachen und Sandwiches aus den Satteltaschen und stapfen vorbei an stark nach Schwefel riechenden Quellen mit 100 °C Wassertemperatur hin zu einem schmalen Wasserlauf, der ganzen oben aus dem Vulkan entspringt. Neben dem Flüsschen führt ein Steg entlang und hinter Holzwänden kann man sich mehr oder weniger sichtgeschützt umziehen. Weiter oben am Fluss ist das Wasser am wärmsten, daher wählen wir diese Stelle zum Baden. Beim Einstieg muss man aufpassen, dass man nicht auf den glitschigen Stufen des Stegs ausrutscht. Im Flussbett liegen viele kleine Steine die den Weg durch das flache Wasser zu einer kleinen Herausforderung für unsere nackten Füße werden lassen. Am Rande des Beckens lehnen wir uns an die Grasnarbe und entspannen die vom Reiten steifen Glieder. Anschließend ist uns erst einmal wieder warm. Schnell zurück in die dicken Sachen!



Wir haben noch ein paar Minuten Zeit, um auf einem kleinen grasbewachsenen Hügel unser Mittagessen zu verputzen, dann geht es zurück zu den Pferden und den Berg wieder hinab ins Tal. Durch ein schönes Waldstück kommen wir über hügeliges Gelände wieder in Richtung ELDHESTAR.

Tag 3: Im Tölt am Fuße des Berges Ingólfspfad

Der dritte Tag wird der schönste unserer Tour, was bestimmt auch daran liegt, dass uns am Morgen ein strahelnd blauer Himmel und warme Sonnenstrahlen begrüßen! Den ersten Teil des Weges legen wir über die entfernter gelegenen Wiesen des Hofes zurück, auf denen Mutterstuten mit ihren Fohlen und auch einige Jährlinge stehen. Neugierig laufen sie unserer Gruppe hinterher. Wir kommen an Bauernhöfen vorbei und an vielen Wiesen, auf denen Islandpferde anderer Höfe grasen. Auch sie begleiten uns entlang der Koppelzäune und versuchen uns durch wilde Sprünge zu beeindrucken.


Im Hintergrund ist bereits das Panorama des Berges Ingólfspfad zu sehen, an dessen Fuße wir eine sehr ausgedehnte Mittagspause genießen. Auch den Pferden scheint der milde, sonnige Tag zu gefallen, einige legen sich ganz vertrauensvoll platt neben uns ins Gras. 

Irgendwann müssen wir uns auf den Rückweg machen. Über Schafsweiden reiten wir am Rande der Bergkette entlang. Wir kommen an einem weißen, mehrstöckigen Gebäude vorbei, welches mitten im Grünen steht. Davor sehen wir Spielgeräte für Kinder und einen Fußballplatz. Umso erstaunter sind wir zu hören, dass es sich hierbei um ein Gefängnis handelt… sogar das hat in Island also etwas Idyllisches an sich. Zurück am Hof müssen wir uns schon von unseren Mitreisenden Helena, Lisa und Karen verabschieden, da diese eine kürzere Tour gebucht haben. Anne und ich können uns zum Glück noch auf einen weiteren Tag freuen und uns von den Hot Tubs aus anschauen, wie die Pferde für die Nacht auf die Wiesen gebracht werden.

Tag 4: Strandritt beim Fischerdorf Thorlákshöfn

An unserem letzten Tag geht es zusammen mit Paula und einer dänischen Familie erneut in Richtung Süden. Den Weg  zum Fluss Ölfusá kennen wir ja bereits. Dort angekommen durchqueren wir ihn an durchaus tiefen Stellen und versuchen unsere Füße dabei trocken zu halten. Durch das vom Regen naße Grasland kommen wir nur langsam voran. Irgendwann verändert sich die Landschaft. Die Hügel sind mit lilafarbenen Lupinen bewachsen. Diese Pflanze ist ursprünglich gar nicht auf Island heimisch und offenbar auch ein Risiko für die heimische Vegetation, ihr Anblick aber ist wunderschön! 

Durch das teils trockene Flussdelta kommen wir schließlich zum einem langen und breiten Strandabschnitt ans Meer. Dieser läd zu flottem Tölt und ausgedehnten Galoppstrecken ein.

Da die Küste in ca. 20 km Entfernung von ELDHESTAR liegt und wir am späten Nachmittag bereits wieder nach Reykjavik aufbrechen müssen, legen wir nur die Hälfte des Weges auf den Pferden zurück und werden am Zielort, dem kleinen Fischerdorf Thorlákshöfn, mit Autos und Hängern abgeholt. Ohne zu zögern springen die Pferde in die Transporter, ganz ohne Rampe. Zurück im Hotel können wir noch duschen und uns für die Rückreise umziehen.


Wir haben noch genug Zeit, uns die Stadt anzusehen, unsere Koffer schließen wir derweil am Busbahnhof ein. Ein leckeres veganes Abendessen bekommen wir im wirklich netten Kaffihúsið Garðurinn. Der Flug geht nachts um halb eins, durch die Zeitverschiebung kommen wir morgens um 06:00 Uhr wieder in Düsseldorf an. Gut, dass wir beide den Tag freigenommen haben!

Unterkunft & Verpflegung

Der Hof ELDHESTAR ist nur ca. 30 Minuten mit dem Auto von Reykjavik entfernt. Für eine kurze Reise, wie wir sie machen, also ideal gelegen. Unser Zimmer ist groß und hat alles was wir brauchen, inklusive einer Terasse und freiem Blick auf den Stall. Die Betten sind sehr bequem, die Matratzen mit Pferdehaaren gefüllt. Und man kann die Fenster verdunkeln. Dieses Detail ist wichtg, denn im Sommer wird es auf Island nie dunkel! Es gibt auch längere Touren, bei denen in anderen Unterkünften übernachtet wird, bei unserem 4-tägigen "Sternenritt" werden wir jedoch jeden Abend zum Hotel zurückkehren. "Sternenritt" bedeutet nämlich nicht etwa, dass man nachts Sterne schauen geht. Stellt man sich unsere Route auf einer Landkarte vor, bekommt man ein sternenförmiges Bild, bei dem alle Touren vom selben Punkt ausgehen. 


Im Hotel gibt es ein Frühstücksbüffet (Brot, Aufschnitt, Müsli, Joghurt, Obst) und ein immer leckeres Abendessen mit drei Gängen – wahlweise auch vegetarisch oder vegan. Paula versteht sich gut mit den Jungs in der Küche, der deutsche Koch macht extra für unseren Tisch die Schokotörtchen mit flüssigem Kern zum Nachtisch. Während der Reittouren haben wir für die Mittagspause Sandwiches dabei, außerdem gibt es immer reichlich Erdnüsse, Datteln und Kekse. Nur mit 0,5 Litern Wasser pro Tag komme ich nicht aus, weswegen wir an den nächsten Tagen etwas mehr mitnehmen.

Tour-Guide & Pferde

Paula erzählt uns während der Ausritte viel über die Umgebung, über isländischen Aberglauben (Elfen, Trolle) und über die Pferde. Abends isst sie mit uns gemeinsam und bespricht den nächsten Tag. Sie nimmt viel Rücksicht auf unsere Pferde-Wünsche. Während der vier Tage reite ich neun verschiedene Pferde, da wir auf den Touren immer wieder die Pferde tauschen sollen. Der Gruppe wäre es anders lieber gewesen, doch vermute ich, dass dies unseren unterschiedlichen Gewichtsklassen geschuldet ist, da wir auch eine Dame mit locker 100 kg Körpergewicht dabei haben.

Außerdem führt Paula immer jeden Tag ein Handpferd mit, so hat immer eines der Pferde Pause. Unterwegs legen wir stets eine mindestens einstündige Mittagspause und auch jeweils eine Graspause am Vor-und Nachmittag ein. Beim Pferdetausch werden wir gebeten, auch die Sättel mittauschen, so dass die Steigbügel passend eingestellt bleiben. Die Sättel haben keine Decken oder Polster, sie sollen laut Paula für jedes Pferd passend sein. Ich bin kein Fan davon, jeder Pferderücken ist schließlich anders… Dennoch sehen die Tiere gut aus, Hängerücken sehe ich keine und Sattelzwang ebenso wenig. Die Pferde sind in der Gruppe überaus friedlich, im Gelände sind sie unerschrocken und zuverlässig. Alle sind auf ihre Art toll zu reiten und bis auf eine Ausnahme sehr lauffreudig. Was den Tölt angeht brauchen sie mal mehr mal weniger Unterstützung. Je nach Gelände legen wir lange Strecken im bequemen Tölt zurück. Galoppiert wird vor allem am Strand und bei leicht ansteigenden Strecken – sogar an fahrenden Traktoren vorbei. Aber wie gesagt, es sind absolut coole Tiere.

Wetter & Kleidung

Der Sommer in Island hat mit unserem Sommer nicht viel gemein… Es ist kalt! Anne und ich tragen lange Unterwäsche, dicke Socken und mehrere Schichten Longsleeves und Pullover, sowie dicke Winterjacken. Und natürlich Handschuhe! Eine Mütze oder ein Stirnband unter dem Helm würde ich ebenso empfehlen. Von ELDHESTAR bekommt jeder noch eine Garnitur orangefarbener Regenkleidung aus Gummi, mit der wir wie Müllmänner aussehen. Diese werden zusammengerollt hinten an den Sätteln befestigt und sind Gold wert, egal ob bei kaltem Wind oder Regen!


Auch für die geliehenen Gummistiefel bin ich dankbar, insbesondere beim Strandritt, den hier ging es durch den Fluss und das Gras ist nass vom Regen. Ansonsten leisten mir meine hohen Wanderschuhe gute Dienste. Schuhe und Kappe müssen vor Einreise nach Island desinfiziert werden, damit man den einheimischen Pferden keine Krankheiten einschleppt. Wir verwenden dazu Virkon. Die Kleidung wird ganz normal gewaschen, idealerweise noch mit Hygienespüler im letzten Spülgang.

Unsere Sachen können wir abends im Heizungsraum aufhängen und am nächsten Morgen wieder warm und trocken anziehen. Ich bin wirklich froh, dass wir im "Sommer" hier sind und nicht in Schnee und Eis! An einem Tag ist es mittags sogar so warm, dass wir im Pullover im Gras liegen und die Mittagspause genießen können. 


Ein tolles Erlebnis! Ich freue mich schon auf die nächste Tour. Dann, sofern es der Geldbeutel zulässt, über 6-7 Tage in höheren Lagen, begleitet von einer ganzen freilaufenden Herde…

Stefanie Götten

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